Wege der Moderne

Kunst in der SBZ/DDR 1945 bis 1990
im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)

 
 Entrée zu der Dauerausstellung „Wege der Moderne. Kunst in der SBZ/DDR 1945–1990“ mit Werken von Wolfgang Mattheuer und Klaus Völker | Foto: Marcus-Andreas Mohr | Exponate: © VG Bild-Kunst, Bonn 2018 für die Werke Wolfgang Mattheuer; © Klaus Völker

Entrée zu der Dauerausstellung „Wege der Moderne. Kunst in der SBZ/DDR 1945–1990“ mit Werken von Wolfgang Mattheuer und Klaus Völker | Foto: Marcus-Andreas Mohr | Exponate: © VG Bild-Kunst, Bonn 2018 für die Werke Wolfgang Mattheuer; © Klaus Völker

 

Nach dem Ende des „Dritten Reichs“ und seiner zwölfjährigen repressiven Kunst- und Kulturpolitik begannen die Künstlerinnen und Künstler den Neuanfang verbunden mit der Hoffnung, nunmehr wieder ohne staatliche Vorgaben und Sanktionierungen arbeiten zu können. Infolge der Aufteilung des Landes in die Besatzungszonen der alliierten Mächte vollzog sich die Entwicklung in Ost und West sehr schnell sehr verschieden. Während in den westlichen Besatzungszonen, maßgeblich gesteuert durch die USA, die ungegenständliche Kunst als vermeintlich freiheitlich-demokratischer Gegensatz zur im „Dritten Reich“ propagierten realistischen Kunst unterstützt wurde, suchte man in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) eine seit den 1930er Jahren in der Sowjetunion entwickelte neue realistische Kunst zu etablieren. Beide politisch forcierten Ausrichtungen standen unter jeweils anderen Vorzeichen unmissverständlich im Kontext des demokratischen Neuaufbaus des Landes. Spätestens seit Gründung der beiden deutschen Staaten im Herbst 1949 vollzog sich auch die künstlerische Entwicklung in Deutschland bis 1990 zweigeteilt.

Diese besonderen kunst- und kulturpolitischen Rahmenbedingungen prägten die Entwicklung des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) zwischen 1945 und 1990. In den unterschiedlichen politischen Phasen der DDR vermochte das Museum unter Ausnutzung des jeweiligen Handlungsspielraumes die Sammlungen weiterzuentwickeln und folgte dabei nicht allein politischen, sondern auch künstlerischen Kriterien. Die Präsentation im Nordflügel der Moritzburg zeigt die Entwicklung, die die Kunst in den vier Jahrzehnten des Bestehens der DDR nahm: von dem Versuch des Anknüpfens an die Moderne in den späten 1940er Jahren über die Auseinandersetzungen mit dem Vorwurf des Formalismus, die Etablierung des Sozialistischen Realismus, das Wechselspiel zwischen Phasen kulturpolitischen Dogmatismus‘ und relativer Freiheit bis hin zur Auseinandersetzung mit künstlerischen Erscheinungen in Westeuropa.

 

 

 

Anknüpfen an die Moderne und Formalismusvorwurf

 
 
 Herbert Kitzel: Marionette, 1954, Öl auf Pappe, 104 x 59 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Ludwig Rauch ©Nachlass Herbert Kitzel

Herbert Kitzel: Marionette, 1954, Öl auf Pappe, 104 x 59 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Ludwig Rauch ©Nachlass Herbert Kitzel

  Hermann Bachmann: Mohn vor der Reife, 1950/52, Öl auf Hartfaser, 60,5 x 73 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Foto: Klaus E. Göltz ©   VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Hermann Bachmann: Mohn vor der Reife, 1950/52, Öl auf Hartfaser, 60,5 x 73 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Foto: Klaus E. Göltz © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

 
 

Nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur etablierte sich in Deutschland sehr schnell ein reger Ausstellungsbetrieb. Im Zentrum standen die Rehabilitierung der geächteten Moderne, die Präsentation des Schaffens der modernen Künstler aus den zurückliegenden zwölf Jahren sowie der internationalen zeitgenössischen Kunst. Mit gleichen Vorsätzen baute Gerhard Händler als Direktor des halleschen Museums 1947 bis 1949 eine neue Sammlung moderner Kunst auf.

Parallel bestimmten u. a. die Professoren Charles Crodel und Erwin Hahs, die bereits vor 1933 an der Kunstschule in der halleschen Burg Giebichenstein gewirkt hatten, den künstlerischen Neuanfang. Gemeinsam mit ihren Kollegen, wie Horst Strempel und Werner Heldt in Berlin, und der jüngeren Generation der um 1920 Geborenen, wie Hermann Bachmann oder Herbert Kitzel, schufen sie Arbeiten, in denen sie sich mit der klassischen Moderne auseinandersetzten.

Dies führte in der SBZ zu heftigen kulturpolitischen Kontroversen, nachdem im November 1948 Alexander Dymschitz‘ Artikel Über die formalistische Richtung in der deutschen Malerei erschien. Er stellt den Beginn der Auseinandersetzungen um die Funktion und Aufgabe der Kunst und damit um ihre Freiheit dar. Wurde letztere auf der ersten Zentralen Kulturtagung der SED im Mai 1948 noch bestätigt, formulierte der erste Ministerpräsident der DDR, Otto Grotewohl, 1951: „Literatur und bildende Künste sind der Politik untergeordnet […]. Die Idee der Kunst muss der Marschrichtung des politischen Kampfes folgen“. Zu den angegriffenen Künstlern gehörten vor allem die Vertreter der halleschen Schule, deren Grau-in-Grau-Malerei stellvertretend als formalistische Opposition zum zu etablierenden Sozialistischen Realismus diffamiert wurde. In der Folge verließen in den 1950er Jahren zahlreiche Künstler die DDR.

 
   
  
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    Eugen Hoffmann: Das Leben, 1949/1950, Bronze, 38 x 30 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Punctum/Bertram Kober ©Nachlass Eugen Hoffman   

Eugen Hoffmann: Das Leben, 1949/1950, Bronze, 38 x 30 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Punctum/Bertram Kober ©Nachlass Eugen Hoffman

 

 
 

 


Ringen mit dem Sozialistischen Realismus

 
  Willi Sitte: Bergung aus Hochwasser, 1958, Öl auf Hartfaser, 165 x 208 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) Foto: Falk Wenzel, Halle (Saale) © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Willi Sitte: Bergung aus Hochwasser, 1958, Öl auf Hartfaser, 165 x 208 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) Foto: Falk Wenzel, Halle (Saale) © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

 Willi Sitte: Chemiearbeiter am Schaltpult, 1968, Öl auf Hartfaser, 148 x 102 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Punctum/Bertram Kober ©VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Willi Sitte: Chemiearbeiter am Schaltpult, 1968, Öl auf Hartfaser, 148 x 102 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Punctum/Bertram Kober ©VG Bild-Kunst, Bonn 2018

 Willi Neubert: Parteidiskussion, 1962, Öl auf Hartfaser, 190 x 232 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Punctum/Bertram Kober ©VG Bild-Kunst, Bonn 2018    
  
  
   
 
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Willi Neubert: Parteidiskussion, 1962, Öl auf Hartfaser, 190 x 232 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Punctum/Bertram Kober ©VG Bild-Kunst, Bonn 2018

 

Im Zuge des Aufbaus des Sozialismus nach sowjetischem Vorbild in der DDR wurden 1952 nicht nur die Bundesländer aufgelöst, sondern auch ein zentrales Ministerium für Kultur gegründet. Erster Kulturminister war ab 1954 der einstmals expressionistische Dichter Johannes R. Becher. Der Kampf gegen den Formalismus und die Durchsetzung einer neuen realistischen Kunst wurde erklärte Leitlinie der kulturpolitischen Arbeit. In dieser Situation hatte Gerhard Händler bereits 1949 die SBZ verlassen; es folgte die Neuordnung des Museums und dessen Umwandlung in die Staatliche Galerie Moritzburg. Von den damit verbundenen Schwierigkeiten zeugen die Erwerbungszusammenhänge der ausgestellten Werke.

Aufgabe der von Staatswegen geforderten realistischen Kunst war die positive Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit im Dienste der sozialistischen Gesellschaft und eine agitatorische künstlerische Unterstützung der Partei beim Aufbau des neuen Staates. Im Zentrum der Werke sollte der Werktätige und das gemeinsames Wirken von Künstlern und Arbeitern im Sinne der politischen Vorgaben stehen: „Kunst als Spiegel der Gesellschaft“, so die Überschrift für einen Ausstellungsraum im halleschen Kunstmuseum, lautete die Forderung.

Von den damit verbundenen Schwierigkeiten und Auseinandersetzungen zeugen die ausgestellten Werke von Willi Sitte, Willi Neubert, Eberhard Frey, Karl Erich Müller und Werner Tübke. Während sie auf der einen Seite inhaltlich die politischen Erwartungen weitestgehend erfüllen, belegen die unterschiedlichen stilistischen Mittel das Ringen der Künstler um eine Position zwischen Fortführung der Moderne und Anpassung an die kulturpolitischen Vorgaben.

 

 


Oppositionen zum staatlichen Realismusdiktat

 
 Willy Wolff: Heiteres, 1967, Öl auf Hartfaser, 124 x 100 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) Foto: Klaus E. Göltz © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Willy Wolff: Heiteres, 1967, Öl auf Hartfaser, 124 x 100 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) Foto: Klaus E. Göltz © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

 Willy  Wolff: Flötist in Ruhe, 1968, Messing (Teile eines Weckers), montiert, 17,5 x 16 x 5 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Punctum/Bertram Kober ©VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Willy  Wolff: Flötist in Ruhe, 1968, Messing (Teile eines Weckers), montiert, 17,5 x 16 x 5 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Punctum/Bertram Kober ©VG Bild-Kunst, Bonn 2018

   
  
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    Götze Wasja: "X" oder das grosse "X" oder "X"-berlinisches, 1971, Öl auf Hartfaser, 68 x 59 cm, Eigentum des Landes Sachsen-Anhalt; Landesverwaltungsamt, Dokumentationsstelle zur Erfassung von Kulturvermögen, Foto: Punctum/Bertram Kober ©Wasja Götze   

Götze Wasja: "X" oder das grosse "X" oder "X"-berlinisches, 1971, Öl auf Hartfaser, 68 x 59 cm, Eigentum des Landes Sachsen-Anhalt; Landesverwaltungsamt, Dokumentationsstelle zur Erfassung von Kulturvermögen, Foto: Punctum/Bertram Kober ©Wasja Götze

 

 


Die Kunst in der DDR kennzeichnet der besondere Umstand, dass jeder Künstler sich stets in Beziehung zu setzen hatte zum staatlich propagierten Realismus. Trotz sich verändernder Definitionen dieses Begriffs über die vier Jahrzehnte bis 1990 war dies der Rahmen, in dem sich die Künstler bewegen und verorten mussten. Während Maler wie Sitte, Tübke, Wolfgang Mattheuer und Bernhard Heisig sich bemühten, dem Sozialistischen Realismus ihr jeweils individuelles Gepräge zu geben, positionierten sich zahlreiche andere Künstler in Opposition zum offiziellen Realismusdiktat. Hierfür mussten sie, wenn sie die DDR nicht verließen, die damit verbundenen Sanktionen wie Ausstellungsschließungen akzeptieren.

 
   
  
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    Hans Hendrik Grimmling: Trojanischer Vogel, 1980, Öl auf Holz, 105 x 150,7 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Klaus E. Göltz ©VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Hans Hendrik Grimmling: Trojanischer Vogel, 1980, Öl auf Holz, 105 x 150,7 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Klaus E. Göltz ©VG Bild-Kunst, Bonn 2018

 

Unter diesen Voraussetzungen schufen Künstler wie Gerhard Altenbourg und Carlfriedrich Claus ein höchst individuelles grafisches Werk, mit dem sie im Westen Deutschlands anerkannt, in der DDR jedoch höchstens geduldet waren. Demgegenüber entwickelten Willy Wolff, Hans Ticha und Wasja Götze eine eigenständige Position in Auseinandersetzung mit der englischen und amerikanischen Pop Art, während Künstler wie Hermann Glöckner, Horst Bartnig, Günther Hornig oder Karl-Heinz Adler ein abstraktes Œuvre schufen, das sich an den internationalen ungegenständlichen Entwicklungen orientierte. Im Bereich der figurativen Kunst strebten Maler und Bildhauer wie Hartwig und Wolfram Ebersbach, Hans Hendrik Grimmling, Wieland Förster oder Hartmut Bonk nach eigenständigen, oft expressiven Ausdrucksformen jenseits des staatlichen Realismusdiktats. In Städten wie Dresden, Chemnitz oder Berlin entwickelten sich auf diese Weise seit den 1970er Jahren alternative Künstlervereinigungen, die – vom staatlichen Überwachungsapparat beobachtet – in immer freiere experimentelle Bereiche vordrangen.

   
  
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    Hermann Glöckner: Fließender Ocker auf Hellbraun, 1958, Kreide, Kasein auf Pappe, gelackt auf Tafel, 25,1 x 35 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Ludwig Rauch © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Hermann Glöckner: Fließender Ocker auf Hellbraun, 1958, Kreide, Kasein auf Pappe, gelackt auf Tafel, 25,1 x 35 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Ludwig Rauch © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

   
  
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    Eberhard Göschel: Binge, 1988, Öl auf Leinwand, 180 x 215 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Punctum/Bertram Kober © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Eberhard Göschel: Binge, 1988, Öl auf Leinwand, 180 x 215 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Punctum/Bertram Kober © VG Bild-Kunst, Bonn 2018