Wege der Moderne

Die Kunst in Halle (Saale) im Kontext der Formalismusdebatte

In der sogenannten Box im zweiten Obergeschoss des Nordflügels der Moritzburg widmet sich eine vertiefende Kabinettpräsentation der Kunst der halleschen Künstler nach dem Zweiten Weltkrieg. Das künstlerische Schaffen in Halle (Saale) vor 1933 war maßgeblich geprägt durch die an der 1915 gegründeten Kunstschule in der Burg Giebichenstein lehrenden Künstlerinnen und Künstler. Während die Bildhauer Gustav Weidanz und Karl Müller zwischen 1933 und 1945 an der Schule verblieben waren, kehrten die entlassenen Maler Charles Crodel und Erwin Hahs nach Ende des „Dritten Reichs“ an ihren früheren Wirkungsort zurück. Sie bildeten die junge Generation aus, indem sie sie mit der klassischen Moderne vertraut machten. Prinzipien einer freien künstlerischen Ausbildung wurden fortgeführt und weiterentwickelt. Die private Galerie von Eduard Henning zeigte Werke der internationalen, v. a. französischen Moderne. In diesem Umfeld entstand in Halle (Saale) eine eigene Bildsprache, die in einer vornehmlich grautonigen Malerei Akrobaten, Gaukler, Landschaften und Stillleben als Sinnbilder der Nachkriegsgesellschaft darstellte. Die Künstlerschaft organisierte sich in der Vereinigung Fähre und stellte ihre Werke gemeinsam aus, sodass der Kunsthistoriker Fritz Löffler 1949 konstatieren konnte: „In Halle reifen eine Reihe beachtenswerter Talente, die aus der Schule Giebichenstein hervorwuchsen.“

 
   
  
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  Fritz Baust: Theater, 1949, Öl auf Leinwand, 95 x 117 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Punctum/Bertram Kober © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Fritz Baust: Theater, 1949, Öl auf Leinwand, 95 x 117 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Punctum/Bertram Kober © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

   
  
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     Herbert Kitzel: Müder Reiter, 1957, Öl auf Pappe, 100 x 150 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto:   Punctum/Bertram Kober © Nachlass Herbert Kitzel

Herbert Kitzel: Müder Reiter, 1957, Öl auf Pappe, 100 x 150 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Punctum/Bertram Kober © Nachlass Herbert Kitzel

 

Diese Entwicklung verlief konträr zur 1948 einsetzenden neuerlichen Ächtung der modernen Kunst als „bürgerlich-dekadent“ und „formalistisch“. Ein seinerzeit landesweit Aufsehen erregendes Beispiel hierfür ist der Studienaufenthalt der Malklasse von Ulrich Knispel 1951 in Ahrenshop an der Ostsee. Dass seine Studierenden dort Strandgut und tote Fische zeichneten, prangerte Wilhelm Girnus, Kulturredakteur des Neuen Deutschlands, des Zentralorgans der SED, stellvertretend für den an der halleschen Kunstschule vermeintlich herrschenden Formalismus öffentlich an. Der drohenden Verhaftung entzog sich Knispel durch die Flucht nach West-Berlin. Eine ähnliche Wendung nahmen auch die Biografien von Charles Crodel, Hermann Bachmann oder Herbert Kitzel. Ende der 1950er Jahre hatte die Mehrzahl der an die Moderne vor 1933 anknüpfenden Künstler die hallesche Kunstschule verlassen. 1958 wurde sie programmatisch zur Hochschule für industrielle Formgestaltung umstrukturiert.

 
 
   
  
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    Mareile Kitzel: Liegender Knabe, 1955, Gips, 25 x 55 x 25 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Klaus E. Göltz © Nachlass Mareile Kitzel

Mareile Kitzel: Liegender Knabe, 1955, Gips, 25 x 55 x 25 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Klaus E. Göltz © Nachlass Mareile Kitzel