Wege der Moderne

Kunst der Sezession
um 1900

Sammlungspräsentation im Talamt des
Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale)

 

Franz Marc: Der tote Spatz, 1905, Öl auf Pappe, 12,1 x 16,2 cm, Kulturstiftung Sachsen‑Anhalt – Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Dauerleihgabe Sammlung Kracht, Foto: Punctum/Peter Franke

 

Die im Obergeschoss des Talamtes im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) ausgestellten Werke gelangten in der Mehrzahl ab 1905 über die Reinhold-Steckner-Stiftung in die Sammlung und repräsentieren die Kunst der Sezessionen in Deutschland. Hierbei handelt es sich um Abspaltungen (lat. secedere) vom offiziellen, akademischen Ausstellungsbetrieb mit dem Ziel einer internationalen Vernetzung und Förderung der nationalen zeitgenössischen Künste. Vor allem wollte man sich von der etablierten Salonkunst absetzen.

Mit der Gründung des Deutschen Reichs 1871 setzte eine wirtschaftliche Blüte ein, die ein rapides Anwachsen der Städte nach sich zog. Politisch war die Zeit um 1900 von einem massiven Nationalismus geprägt, was sich in den kolonialen Ambitionen der Länder zeigte, aber auch in der Rezeption der Kunst. So begann sich in Deutschland zwar gerade die Kunst des Impressionismus durchzusetzen, dessen Hauptvertreter wie Lovis Corinth, Max Liebermann oder Max Slevogt sahen sich jedoch immer wieder Angriffen konservativer Kritiker sowie des Kaisers ausgesetzt, der ihre Werke als „Rinnsteinkunst" ablehnte. Fortschrittliche Museumsdirektoren wie Hugo von Tschudi in Berlin konnten oft nur unter großen Anstrengungen moderne Werke z. B. der Franzosen für ihre Sammlungen erwerben.

 

 
 

Lovis Corinth: Selbstbildnis des Künstlers, 1909, Öl auf Leinwand, 78 x 58 cm, Kulturstiftung Sachsen‑Anhalt – Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Klaus E. Göltz

Paula Modersohn‑Becker: Feldblumenstrauß, 1906, Öl auf Leinwand, 69,5 x 57,9 cm, Kulturstiftung Sachsen‑Anhalt – Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Klaus E. Göltz

Max Slevogt: Portrait Philipp Fischer von Weikersthal (Der Philosoph), 1903, Öl auf Leinwand, 97,5 x 77 cm, Kulturstiftung Sachsen‑Anhalt – Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Punctum/Peter Franke

 
 

Um 1900 erfolgte in Deutschland auch die Errichtung zahlreicher Museen. Nach Leipzig (1848) erfolgte in Halle (Saale) die zweite bedeutende Gründung eines Kunstmuseums in Mitteldeutschland. 1885 wurde aus der halleschen Bürgerschaft heraus das Städtische Museum für Kunst und Kunstgewerbe etabliert. Von Beginn an war sein Profil auf die bildende und angewandte Kunst ausgerichtet. Die noch kleine Sammlung wurde im Eich- und Waageamt im Süden der historischen Altstadt präsentiert. Unter dem ersten ehrenamtlichen Kurator des Museums, Franz Otto (1832–1901), fand zudem ein reger Ausstellungsbetrieb statt. Bis 1904 wurde im Südflügel der Moritzburg das Talamt, ein historisierender Nachbau des Sitzes des Salzgrafen von Halle (Saale), als moderner Museumsbau errichtet. In ihm wurde zunächst die kunsthandwerkliche Sammlung präsentiert. Das hallesche Museum entwickelte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts schnell zu einem wichtigen Haus für die Kunst der Moderne.

 

Walter Leistikow: Am Schlachtensee, um 1908, Öl auf Leinwand, 49 x 65 cm, Kulturstiftung Sachsen‑Anhalt – Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Klaus E. Göltz